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Kopfschmerzen und Migräne bei Kindern

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Kopfschmerzen und Migräne zählen zu den häufigsten gesundheitlichen Beschwerden im Kindes- und Jugendalter. Untersuchungen zeigen, dass etwa 60 Prozent der Kinder und Jugendlichen bereits Erfahrungen mit Kopfschmerzen gemacht haben. Rund 10 Prozent leiden an Migräne, wobei die Häufigkeit mit zunehmendem Alter steigt. Aufgrund der erblichen Veranlagung sind insbesondere Kinder gefährdet, deren Eltern ebenfalls von Migräne betroffen sind.

Bereits Kleinkinder und sogar Babys können Migräne entwickeln. In diesem Alter ist die Diagnosestellung jedoch oft schwierig, da Kinder ihre Beschwerden noch nicht ausreichend beschreiben können.

Kopfschmerzarten bei Kindern

Die beiden häufigsten Formen von Kopfschmerzen im Kindesalter sind die Migräne und der Spannungskopfschmerz. Auch Mischformen können auftreten. Nur selten steckt eine schwerwiegende Erkrankung hinter den Beschwerden. In diesem Fall spricht man von sekundären Kopfschmerzen. Im Gegensatz dazu stellen primäre Kopfschmerzen – wie Migräne oder Spannungskopfschmerzen – eigenständige Erkrankungen dar.

Eine Abklärung durch den Kinderarzt oder eine spezialisierte Fachärztin bzw. einen Facharzt ist besonders wichtig, um die Beschwerden richtig einzuordnen und gegebenenfalls eine geeignete Behandlung einzuleiten.

Hilfreich ist außerdem das Führen eines Kopfschmerztagebuchs. Dadurch können mögliche Auslöser, sogenannte Triggerfaktoren, erkannt werden. Dazu zählen beispielsweise Stress, Schlafmangel, Hitze, grelles Licht, Lärm oder bestimmte Gerüche. Im Kopfschmerzkalender werden unter anderem Häufigkeit, Dauer, Intensität sowie Begleitsymptome der Kopfschmerzen dokumentiert.

Migräne

Die Symptome einer Migräneattacke bei Kindern unterscheiden sich teilweise von denen bei Erwachsenen. Die Migräne kann bei Kindern sogar ohne die typischen Kopfschmerzen auftreten. Stattdessen stehen Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Schwindel oder andere neurologische Symptome im Vordergrund.

Der typische Migränekopfschmerz ist von mittlerer bis starker Intensität und wird häufig als pulsierend oder pochend beschrieben. Im Gegensatz zu Erwachsenen treten die Schmerzen bei Kindern oft beidseitig auf. Außerdem dauern die Attacken meist kürzer an. Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen sowie Licht- und Lärmempfindlichkeit können ebenfalls auftreten. Körperliche Aktivität verstärkt die Beschwerden häufig.

Vor einer Attacke kann es zudem zu einer sogenannten Migräne-Aura kommen. Darunter versteht man vorübergehende neurologische Symptome wie Sehstörungen, Gefühlsstörungen oder Sprachstörungen.

Neben der klassischen Migräne können bei Kindern in seltenen Fällen sogenannte Migränevarianten auftreten, die meist ohne Kopfschmerzen verlaufen:

  • Abdominelle Migräne (Bauchmigräne): Wiederkehrende, anfallsartige Bauchschmerzen, häufig begleitet von Übelkeit, Erbrechen und Blässe.
  • Gutartiger paroxysmaler Schwindel: Plötzlich auftretende Schwindelattacken mit Unsicherheit beim Gehen und Stehen.
  • Zyklisches Erbrechen: Wiederkehrende Episoden starker Übelkeit und heftigen Erbrechens.

Spannungskopfschmerz

Spannungskopfschmerzen ähneln sich bei Kindern und Erwachsenen sehr. Die Schmerzen werden meist als drückend oder einengend beschrieben und betreffen häufig beide Kopfseiten. Sie sind in der Regel leicht bis mäßig stark und nehmen bei körperlicher Aktivität nicht zu. Manche Kinder berichten sogar über eine Besserung durch Bewegung.

Begleitsymptome wie Übelkeit oder Erbrechen fehlen normalerweise. Auch eine ausgeprägte Licht- oder Lärmempfindlichkeit tritt typischerweise nicht auf.

Auswirkungen auf Alltag und Lebensqualität

Wiederkehrende Kopfschmerzen und insbesondere Migräne können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Häufig kommt es zu Fehlzeiten in der Schule, Konzentrationsschwierigkeiten und dadurch zu Leistungseinbußen. Auch Freizeitaktivitäten, Sport und soziale Kontakte können eingeschränkt sein.

Behandlungsmöglichkeiten

Eine frühzeitige Diagnose und eine individuell angepasste Therapie sind wichtige Voraussetzungen für eine erfolgreiche Behandlung. Andernfalls besteht das Risiko, dass die Beschwerden chronisch werden oder sich ein Medikamentenübergebrauch entwickelt.

Vorbeugende, nichtmedikamentöse Maßnahmen

Nichtmedikamentöse Maßnahmen sollten bei Kindern und Jugendlichen immer Bestandteil der Behandlung sein. Empfohlen werden:

  • ein regelmäßiger Tag-Nacht-Rhythmus
  • ausreichend Schlaf
  • regelmäßige Mahlzeiten
  • eine ausgewogene Ernährung
  • ausreichende Flüssigkeitszufuhr
  • regelmäßige Bewegung und Sport
  • Stressbewältigung und Entspannung

Entspannungsverfahren wie die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson (PMR), Biofeedback, Fantasiereisen oder Yoga können dazu beitragen, die Beschwerden zu reduzieren.

Nahrungsergänzungsmittel zur Migräneprophylaxe

Bei manchen Kindern können Nahrungsergänzungsmittel wie Magnesium, Vitamin B2 (Riboflavin) oder Coenzym Q10 unterstützend zur Verringerung der Kopfschmerzhäufigkeit eingesetzt werden. Die Einnahme sollte jedoch immer in Absprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen.

Nichtmedikamentöse Akuttherapie

Bei leichten bis mittelstarken Kopfschmerzen können reizabschirmende Maßnahmen wie Ruhe, Schlaf in einem abgedunkelten Zimmer oder ein kühles Tuch auf der Stirn zu einer deutlichen Linderung führen. Viele Kinder „verschlafen” ihre Kopfschmerzen und wachen anschließend beschwerdefrei auf.

Medikamentöse Therapie

Reichen diese Maßnahmen nicht aus oder ist der Leidensdruck groß, können Schmerzmedikamente notwendig sein. Bei Kindern werden vor allem Ibuprofen und Paracetamol eingesetzt. Acetylsalicylsäure (ASS) sollte bei Kindern und Jugendlichen aufgrund möglicher schwerwiegender Nebenwirkungen grundsätzlich nur nach ärztlicher Anweisung angewendet werden.

Die verordneten Medikamente sollten möglichst frühzeitig und in ausreichender Dosierung eingenommen werden. Treten zusätzlich Übelkeit und Erbrechen auf, können sogenannte Antiemetika hilfreich sein.

Für den Notfall sollten betroffene Kinder ein altersgerecht dosiertes Schmerzmedikament verfügbar haben. In Schule oder Kindergarten ist es sinnvoll, Betreuungspersonen über die Erkrankung und das Vorgehen bei einer Attacke zu informieren.

Schmerzmittel sollten an weniger als zehn Tagen pro Monat eingenommen werden. Andernfalls besteht die Gefahr eines Medikamentenübergebrauchskopfschmerzes (MÜK). Ein Kopfschmerzkalender kann dabei helfen, den Überblick zu behalten.

Sollten herkömmliche Schmerzmittel nicht ausreichend wirken, stehen für Jugendliche – abhängig von Alter und Zulassung – auch bestimmte Triptane zur Verfügung.

Darüber hinaus gibt es Möglichkeiten einer medikamentösen Migräneprophylaxe. Der Einsatz moderner CGRP-Antikörper wird derzeit auch bei Kindern und Jugendlichen wissenschaftlich untersucht. Die Anwendung erfolgt bislang jedoch überwiegend in spezialisierten Zentren und außerhalb der regulären Zulassung.

Welche Behandlung im Einzelfall sinnvoll ist, sollte immer gemeinsam mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.

Weitere Informationen

  • Kinderbroschüre Migräneliga
  • Österreichische Gesundheitskasse „Kopfschmerzen bei Kindern”
  • gesundheit.gv.at “Kopfschmerzen bei Kindern und Jugendlichen”

Quellen

  • Österreichische Gesundheitskasse „Kopfschmerzen bei Kindern”
  • gesundheit.gv.at „Kopfschmerzen bei Kindern und Jugendlichen”
  • Schmerzklinik Kiel „Migräne und Kindheit”, „Wie wird Migräne bei Kindern behandelt?”
  • DMKG: Folder „Kopfschmerzen bei Kindern”
  • Prof. Dr. med. Dagny Holle-Lee: Buch Migräne Doc- „Migräne bei Kindern”
  • Migräneliga: Kinderbroschüre
  • www.universimed.com „Kopfschmerzen im Kindes- und Jugendalter”
  • www.kup.at: Journal für Neurologie, Neurochirurgie und Psychiatrie: DFP/CME: „Therapie der Migräne im Kindes- und Jugendalter” Brössner G., Rauscher C.