Wie können Arbeitsplätze die Gehirngesundheit ihrer Mitarbeiter:innen besser schützen? Mit dieser Frage beschäftigte sich ein internationaler Brain Health Talk der Brain Health Mission.
Nach einer Einführung tauschten sich die Teilnehmenden in wechselnden Kleingruppen zu drei zentralen Themen aus: den Auswirkungen heutiger Arbeitsbedingungen auf die Gehirngesundheit, bestehenden Lücken und Barrieren sowie konkreten Empfehlungen für den Arbeitsplatz der Zukunft.
Ich durfte mich dabei mit Vincenzina Lo Re, MD, FEBN, Maria Gebbia, Diversity & Inclusion Expert, Wael Alwahchi, Neurologist, und Luisa Welter, Scientific Assistant, austauschen und die Perspektive von Menschen mit Migräne und anderen Kopfschmerzerkrankungen einbringen.
Als problematisch wurden insbesondere hoher Arbeitsdruck, Personalmangel, lange Dienste, Schlafmangel, fehlende Erholungszeiten und mangelndes Verständnis für unsichtbare neurologische Erkrankungen genannt. Menschen mit Migräne erleben am Arbeitsplatz zusätzlich häufig Licht- und Lärmempfindlichkeit, Konzentrationsprobleme, Schwindel, Sehstörungen oder ausgeprägte Erschöpfung. Trotzdem fehlen vielerorts einfache Möglichkeiten, die Arbeitsbedingungen kurzfristig an eine akute Situation anzupassen.
Ein wesentlicher Punkt der Gespräche war, dass Standardlösungen nicht für alle Beschäftigten funktionieren. Statt Maßnahmen über die Köpfe der Betroffenen hinweg zu entwickeln, sollten Unternehmen ihre Mitarbeiter:innen direkt fragen, was sie benötigen. Für manche ist ein ruhiger Arbeitsplatz besonders wichtig, für andere sind flexible Pausen, reduzierte Bildschirmreize, Homeoffice oder anpassbare Beginn- und Endzeiten entscheidend.
Auch aus meiner persönlichen Erfahrung habe ich die Bedeutung flexibler Arbeitsmodelle hervorgehoben. Die Möglichkeit, Arbeit bei Bedarf auf mehrere kürzere Phasen zu verteilen, Pausen einzulegen oder von zu Hause aus zu arbeiten, kann wesentlich dazu beitragen, trotz einer chronischen Kopfschmerzerkrankung berufstätig zu bleiben.
Diskutiert wurden außerdem eine offene Feedbackkultur, Schulungen für Führungskräfte und Teams, ruhige Rückzugsräume sowie ein stärkerer Fokus auf Prävention. Unterstützung sollte nicht erst dann beginnen, wenn es bereits zu häufigen Krankenständen oder einem längeren Ausfall gekommen ist.
Der Talk zeigte deutlich: Ein migränefreundlicher Arbeitsplatz muss weder kompliziert noch teuer sein. Häufig sind es flexible, individuell vereinbarte Anpassungen, die für Betroffene einen enormen Unterschied machen. Davon profitieren letztlich alle – durch mehr Wohlbefinden, langfristige Arbeitsfähigkeit und eine Unternehmenskultur, in der Gesundheit ernst genommen wird.