Migräne macht auch vor dem Arbeitsplatz nicht halt. Eine Attacke bedeutet weit mehr als Kopfschmerzen: Übelkeit, Erbrechen, eine starke Empfindlichkeit gegenüber Licht, Geräuschen oder Gerüchen sowie Seh- und Wahrnehmungsstörungen können das Arbeiten zeitweise unmöglich machen. Auch Konzentrationsprobleme und Erschöpfung können Betroffene während und nach einer Attacke begleiten. Wer sich zurückziehen oder krankmelden muss, ist daher weder unmotiviert noch „zu empfindlich”. Migräne ist eine neurologische Erkrankung.
Besonders belastend ist die fehlende Planbarkeit. Eine Attacke kann ausgerechnet vor einem wichtigen Termin, während einer Besprechung oder mitten in einer arbeitsreichen Woche auftreten. Viele Betroffene versuchen trotzdem weiterzuarbeiten – aus Angst, nicht ernst genommen oder als weniger leistungsfähig angesehen zu werden. In einer europäischen Befragung gaben 62 Prozent der Teilnehmenden mit Migräne an, dass die Erkrankung beeinflusst, wie ihre Leistung von Arbeitgeber:innen eingeschätzt wird. 43 Prozent sprachen am Arbeitsplatz nicht über ihre Erkrankung.
Dabei können oft schon kleine Veränderungen den Arbeitsalltag erleichtern. Hilfreich können individuell einstellbare oder blendfreie Beleuchtung, ein ruhigerer Arbeitsplatz, weniger starke Gerüche, regelmäßige kurze Pausen und die Möglichkeit sein, sich bei einer beginnenden Attacke kurz zurückzuziehen. Flexible Arbeitszeiten oder Homeoffice können ebenfalls entlasten – besonders dann, wenn sich eine Attacke ankündigt oder die Erholung danach länger dauert. Auch regelmäßige Mahlzeiten, ausreichend Flüssigkeit und möglichst gleichmäßige Schlaf- und Tagesrhythmen können für manche Menschen wichtig sein. Welche Faktoren eine Rolle spielen, ist jedoch individuell verschieden.
Ob und mit wem man am Arbeitsplatz über die Migräne spricht, bleibt eine persönliche Entscheidung. Ein offenes Gespräch mit einer vertrauten Führungskraft, dem Betriebsrat oder der Arbeitsmedizin kann jedoch helfen, konkrete Lösungen zu finden. Sinnvoll ist auch ein persönlicher Notfallplan: Wo liegen die Akutmedikamente? Gibt es einen ruhigen Raum? Wer kann kurzfristig Aufgaben übernehmen?
Ein migränefreundlicher Arbeitsplatz bedeutet nicht, dass Betroffene weniger leisten. Er schafft Bedingungen, unter denen sie ihre Fähigkeiten trotz einer unvorhersehbaren Erkrankung bestmöglich einsetzen können.
Quellen
- Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) – Informationen für Patient:innen: https://www.dmkg.de/patienten/
- Gesundheitsinformation.de – Migräne: https://www.gesundheitsinformation.de/migraene.html
- Gesundheitsinformation.de – Verschiedene Kopfschmerzformen: https://www.gesundheitsinformation.de/wie-unterscheiden-sich-verschiedene-kopfschmerzformen.html
- MigräneLiga Deutschland – Broschüre „Migräne im Job”: https://www.migraeneliga.de/wp-content/uploads/Migraene-im-Job.pdf
- European Migraine & Headache Alliance – Befragung zu Migräne, Arbeit und Stigmatisierung in Deutschland: https://www.emhalliance.org/wp-content/uploads/Migraine_Germany_Feb2023.pdf