Eine Akuttherapie behandelt eine einzelne Migräneattacke. Ihr Ziel ist, den Kopfschmerz und Begleitsymptome wie Übelkeit, Licht- oder Lärmempfindlichkeit zu lindern. Sie ist etwas anderes als eine Prophylaxe: Diese soll künftige Attacken beeinflussen und wird im eigenen Artikel erklärt.
Dieser Überblick bezieht sich auf Erwachsene und beschreibt Wirkstoffgruppen, nicht persönliche Behandlungspläne. Er enthält keine Dosierungen, Einnahmepläne oder Rangfolge von Medikamenten.
Hinweis zu Verfügbarkeit und Kostenübernahme
Nicht jedes Medikament und nicht jede Darreichungsform ist in Österreich gleich gut erhältlich. Auch eine Zulassung bedeutet nicht automatisch, dass die Kosten von der Krankenversicherung übernommen werden oder keine Bewilligung nötig ist. Welche Präparate tatsächlich verfügbar sind und unter welchen Voraussetzungen sie erstattet werden, sollte deshalb bei der Apotheke, der behandelnden Praxis oder dem Krankenversicherungsträger geklärt werden.
Wichtig bei Schwangerschaft, Stillzeit oder Kinderwunsch: Besprich Beginn, Änderung oder Absetzen einer Migränebehandlung mit der behandelnden Praxis. Welche Wirkstoffe infrage kommen, hängt vom einzelnen Arzneimittel, dem Schwangerschaftsabschnitt, Stillen, weiteren Erkrankungen und Begleitmedikamenten ab. Arzneimittel deshalb nicht eigenständig beginnen, ändern oder absetzen. Produktbezogene Sofortmaßnahmen bei schweren Nebenwirkungen, etwa die Metamizol-Warnung unten, bleiben davon ausgenommen.
Wirkstoffgruppen für die einzelne Attacke
Nicht migränespezifische Schmerzmittel
Diese Wirkstoffe wurden nicht ausschließlich für Migräne entwickelt. Sie dämpfen allgemein Schmerzsignale. Zu ihnen gehören die nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR), die zusätzlich entzündungsbezogene Botenstoffe beeinflussen, sowie andere Schmerzmittel mit anderem Wirkprinzip. Sie greifen nicht gezielt am CGRP- oder Serotonin-Signal der Migräne an.
- Acetylsalicylsäure (ASS): ASS gehört zu den NSAR. Für die Akutbehandlung von Migräne ist unter anderem eine Brausetablette als Darreichungsform dokumentiert.
- Ibuprofen: Ibuprofen gehört ebenfalls zu den NSAR. Die Leitlinie beschreibt die orale Anwendung bei akuten Migräneattacken.
- Diclofenac: Diclofenac ist ein NSAR und hemmt die Bildung von Prostaglandinen, also entzündungsbezogenen Botenstoffen. In der Leitlinie wird orales Diclofenac-Kalium genannt; für ein Zäpfchen ist die Behandlung von Migräneanfällen produktbezogen dokumentiert.
- Naproxen: Naproxen ist ein NSAR. Die Leitlinie führt die orale Anwendung bei Migräneattacken.
- Paracetamol: Paracetamol ist ein nicht migränespezifisches Schmerzmittel, gehört aber nicht zu den NSAR. Die Leitlinie führt es in oraler Form auf.
- Metamizol (Novaminsulfon): Metamizol ist ein Schmerzmittel, das die Leitlinie für die orale Akutbehandlung aufführt. Eine intravenöse Anwendung wird dort als Notfallmedikation beschrieben und gehört in einen medizinischen Behandlungsrahmen.
- Fixkombination aus ASS, Paracetamol und Koffein: Diese Kombination verbindet drei Wirkstoffe in einer Tablette. Sie ist ein Kombinationsanalgetikum, kein eigener migränespezifischer Wirkstoff.
Metamizol: sofort handeln bei Warnzeichen. Fieber, Schüttelfrost, Halsschmerzen oder schmerzhafte Schleimhautveränderungen, besonders in Mund, Nase, Rachen, Genital- oder Analbereich, können auf eine Agranulozytose hinweisen: einen gefährlichen Abfall bestimmter weißer Blutkörperchen. Setze Metamizol dann sofort ab und suche umgehend ärztliche Hilfe. Warte nicht auf ein Blutbildergebnis. Das gilt während der Behandlung und kurz nach dem Absetzen, auch nach früher problemloser Einnahme. Fiebersenkung oder Antibiotika können Symptome verdecken. Routinemäßige Blutbildkontrollen zur Früherkennung werden nicht empfohlen; bei Verdacht ist dagegen eine sofortige ärztliche Blutuntersuchung erforderlich.
Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen
Antiemetika behandeln vor allem Übelkeit und Erbrechen als mögliche Begleitsymptome einer Migräneattacke. Sie sind keine migränespezifischen Schmerzmittel. Bei einer Attacke kann die Magenbewegung verändert sein; deshalb gehören sie als eigene Gruppe neben Schmerzmitteln und Triptanen.
- Metoclopramid: Metoclopramid ist ein Antiemetikum gegen Übelkeit und Erbrechen, auch bei einer akuten Migräne. Seine eigenständige Wirkung auf den Kopfschmerz ist laut Leitlinie gering.
- Domperidon: Domperidon ist ebenfalls ein Antiemetikum gegen Übelkeit und Erbrechen bei einer Migräneattacke. Die Leitlinie führt die orale Anwendung auf.
Triptane
Triptane sind migränespezifische Serotonin-Rezeptor-Agonisten. Sie beeinflussen die Schmerzverarbeitung im Trigeminus-System und die dabei beteiligte Freisetzung von Botenstoffen. Ihre gefäßverengende Wirkung unterscheidet sie von Gepanten und Lasmiditan. Deshalb können Herz-Kreislauf- oder Gefäßerkrankungen, hoher Blutdruck und andere Medikamente bei der medizinischen Beurteilung eine Rolle spielen.
Die Unterschiede zwischen den Triptanen liegen vor allem in Darreichungsform, relativem Wirkungseintritt und Wirkdauer. Die folgenden Zeitangaben sind Durchschnittswerte aus Studien; sie sagen nicht voraus, wie eine einzelne Attacke auf einen bestimmten Wirkstoff reagiert.
- Almotriptan: Almotriptan wird oral angewendet. Die Leitlinie ordnet den Wirkungseintritt oraler Formen im Durchschnitt nach etwa 45 bis 60 Minuten ein.
- Eletriptan: Eletriptan wird oral angewendet und gehört unter den oralen Triptanen zu den Wirkstoffen mit vergleichsweise raschem Wirkungseintritt, im Durchschnitt nach etwa 30 Minuten.
- Frovatriptan: Frovatriptan wird oral angewendet. Es gehört zusammen mit Naratriptan zu den Triptanen mit der längsten Wirkdauer. Dafür setzt die Wirkung typischerweise später ein; die Leitlinie nennt für den Wirkungseintritt bis zu vier Stunden.
- Naratriptan: Naratriptan wird oral angewendet. Wie Frovatriptan hat es eine längere Wirkdauer und einen typischerweise späteren Wirkungseintritt, laut Leitlinie bis zu vier Stunden.
- Rizatriptan: Rizatriptan gibt es als Tablette oder Schmelztablette. Es gehört unter den oralen Triptanen zu den Wirkstoffen mit vergleichsweise raschem Wirkungseintritt, im Durchschnitt nach etwa 30 Minuten.
- Sumatriptan: Sumatriptan gibt es oral, als Nasenspray und zur subkutanen Anwendung. Die subkutane Form hat mit etwa zehn Minuten den schnellsten Wirkungseintritt innerhalb der Triptan-Gruppe; die orale Form wird im Durchschnitt nach etwa 45 bis 60 Minuten eingeordnet.
- Zolmitriptan: Zolmitriptan gibt es als Tablette oder Schmelztablette sowie als Nasenspray. Für die orale Form nennt die Leitlinie im Durchschnitt etwa 45 bis 60 Minuten; das Nasenspray setzt rascher ein als orales Zolmitriptan.
Gepante
Gepante sind migränespezifische Wirkstoffe, die das CGRP-Signal beeinflussen. CGRP ist bei Migräne an Schmerzübertragung und Gefäßregulation beteiligt. Anders als Triptane wirken Gepante nicht gefäßverengend.
- Rimegepant: Rimegepant blockiert die Bindung von CGRP an seinen Rezeptor. Die dokumentierte Darreichungsform löst sich im Mund auf.
- Atogepant: Die aktuelle EMA-Information zu Aquipta beschreibt die Tablette sowohl zur Akutbehandlung mit oder ohne Aura als auch zur Vorbeugung bei Erwachsenen. Wenn Du Atogepant vorbeugend einnimmst, darfst Du es nicht zusätzlich gegen eine aktuelle Attacke einsetzen: Die maximal empfohlene Tagesmenge ist bereits erreicht. Besprich die passende Akutbehandlung mit Deiner Praxis. Atogepant bindet an CGRP- und Amylin-1-Rezeptoren; der genaue klinische Wirkmechanismus ist nicht vollständig geklärt.
Ditan
Ditane sind migränespezifische Serotonin-Rezeptor-Agonisten mit einem anderen Angriffspunkt als Triptane: Sie aktivieren den 5-HT1F-Rezeptor. Lasmiditan wirkt nicht gefäßverengend.
- Lasmiditan: Lasmiditan ist als Tablette zur Behandlung einer Migräne mit oder ohne Aura bei Erwachsenen zugelassen. Die EU-Zulassung belegt keine aktuelle österreichische Marktverfügbarkeit oder Erstattung. Kläre diese für das konkrete Präparat mit Praxis, Apotheke und Krankenversicherung.
Lasmiditan: mindestens acht Stunden nicht fahren. Nach jeder Einnahme darfst Du für mindestens acht Stunden kein Fahrzeug führen, keine Maschinen bedienen und keinen anderen Tätigkeiten mit erhöhter Aufmerksamkeit nachgehen – auch wenn Du Dich dazu in der Lage fühlst. Wenn Du das nicht einhalten kannst, sollst Du Lasmiditan nicht einnehmen.
Hinweis: Die genannten Wirkstoffe sind keine Rangliste. Nicht jeder Wirkstoff ist für jede Person, jede Migräneform oder jede Begleiterkrankung geeignet; die Auswahl gehört in die medizinische Abklärung.
Was keine reguläre Empfehlung für eine Migräneattacke ist
Mutterkornalkaloide wie Ergotamin und Dihydroergotamin gehören historisch zur Migränebehandlung. Ihre Nennung in älteren Quellen beweist keine aktuelle österreichische Lieferbarkeit. Für konkrete Präparate müssen Zulassung, Marktstatus und Versorgung aktuell geprüft werden. Phenazon ist laut Österreich-Abschnitt der DGN/DMKG/ÖKSG-Leitlinie in Österreich nicht erhältlich; dies ist keine aktuelle Lieferprüfung. Opioide gehören nach derselben Leitlinie nicht zur Behandlung einer Migräneattacke.
Medikamententage dokumentieren
Bei häufigem Gebrauch von Akutmedikamenten kann ein medikamentenübergebrauchsbedingter Kopfschmerz entstehen. Die ICHD-3 beschreibt Übergebrauch unter anderem ab 10 Tagen pro Monat bei Triptanen und Kombinationsanalgetika sowie ab 15 Tagen bei nicht-opioiden Schmerzmitteln – jeweils über mehr als drei Monate. Zur Diagnose gehören zusätzlich Kopfschmerzen an mindestens 15 Tagen pro Monat und weitere ärztliche Kriterien. Diese Zahlen sind keine sicheren Ausschöpfungsgrenzen und kein Selbsttest. Auch wechselnde Mittel oder Wirkstoffklassen können zusammen Übergebrauch bilden. Ein Kopfschmerztagebuch kann Attacken und Medikamententage sichtbar machen. Besprich häufigen oder steigenden Bedarf frühzeitig mit Deiner Praxis; geplante Änderungen oder Absetzen gehören in dieses Gespräch. Sofortmaßnahmen bei schweren Nebenwirkungen bleiben davon ausgenommen.
Plötzlich neuartige oder rasch maximal starke Kopfschmerzen, neue neurologische Ausfälle, Bewusstseinsstörungen oder Fieber sind keine Situation für eine Selbstbehandlung als bekannte Migräne.
Quellen
Redaktioneller Quellenabgleich: 10.10.2026. Allgemeine Information, keine individuelle Behandlungsempfehlung oder behauptete fachärztliche Freigabe. Beachte die aktuelle Gebrauchsinformation Deines Präparats.
- DGN/DMKG/ÖKSG: Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne, S1-Leitlinie, Version 7.1, 2025
- BASG: Medikamente Info Austria (MiA)
- EMA: Vydura (Rimegepant), Produktinformation
- EMA: Aquipta (Atogepant), Produktinformation
- EMA: Aquipta, Übersicht zu Akutbehandlung und Vorbeugung, Stand 25.08.2026
- EMA: Rayvow (Lasmiditan), deutsche Produktinformation
- BASG: Metamizol – Maßnahmen bei möglicher Agranulozytose, 12.12.2024
- International Headache Society: ICHD-3 – Medication-overuse headache