Kurz erklärt
- Kurze, regelmäßige Notizen reichen: Zeitpunkt, Beschwerden und Medikamente sind besonders hilfreich.
- Zähle Kopfschmerztage und Einnahmetage, nicht nur Attacken oder Tabletten.
- Das Tagebuch unterstützt Gespräche, beweist aber keinen Auslöser und darf dringende Abklärung nicht verzögern.
Ein Kopfschmerztagebuch hält fest, wie Kopfschmerzen im Alltag verlaufen. Es kann Ärzt:innen helfen, Beschwerden besser einzuordnen, Häufigkeit und Auswirkungen sichtbar zu machen und gemeinsam zu prüfen, ob eine Behandlung unterstützt. Es ersetzt keine medizinische Diagnose oder Abklärung.
Ob auf Papier, im Kalender oder digital: Entscheidend ist nicht das Format, sondern dass deine Einträge für dich machbar und beim Termin verständlich sind. Es braucht keine perfekte Dokumentation. Auch kurze, regelmäßige Notizen können sehr hilfreich sein.
Vorlage herunterladen oder ausdrucken
- Kopfschmerzkalender herunterladen (PDF) – eine A4-Monatsvorlage im Website-Design mit 31 Tageszeilen. Monat und Jahr trägst Du selbst ein; Tage, die es im gewählten Monat nicht gibt, streichst Du.
- Monatsvorlage als CSV herunterladen – für eine Tabellen-App auf Deinem Gerät.
Lade die fertige PDF herunter und drucke sie aus, um Deine Einträge handschriftlich festzuhalten. Ein PDF-Export aus dem Browser ist nicht nötig. Du brauchst weder Namen noch Geburtsdatum oder ein Benutzerkonto. Bewahre Gesundheitsnotizen geschützt auf; eine von Dir gewählte Cloud- oder Tabellen-App hat eigene Datenschutzregeln.
CSV-Anleitung: Öffne die Datei in Deiner Tabellen-App. Falls alles in einer Spalte erscheint, wähle beim Import UTF-8 und das Trennzeichen Semikolon. Trage Monat und Datum ein, streiche nicht vorhandene Monatstage und verwende „ja“, „nein“ oder „?“ bei Unsicherheit. Ein leeres Feld bedeutet „nicht erfasst“, nicht „kopfschmerzfrei“. Beginne mit den drei Tagesangaben; weitere Felder sind optional. Die CSV enthält keine Formeln und erstellt keine Diagnose. Für einen Ausdruck nutze die PDF-Monatsvorlage.
Drei verschiedene Tageszahlen
- Kopfschmerztag: Ein Kalendertag mit Kopfschmerz, auch wenn der Schmerz nur kurz dauert. Mehrere Attacken an einem Tag zählen als ein Kopfschmerztag; über Mitternacht fortbestehender Schmerz betrifft zwei Tage.
- Migränetag: Ein Tag mit einer ärztlich eingeordneten Migräne beziehungsweise den dafür vereinbarten Merkmalen. Die Vorlage fragt nach „Migränemerkmalen“; bei Unsicherheit notierst Du „?“, statt Dich selbst zu diagnostizieren. Nicht jeder Kopfschmerztag ist ein Migränetag. Eine bekannte Aura ohne Kopfschmerz notierst Du gesondert.
- Akutmedikamententag: Ein Tag, an dem Du ein Akutmittel gegen Kopfschmerz verwendest. Mehrere Einnahmen und unterschiedliche Mittel am selben Tag zählen in der Gesamtsumme nur einmal; notiere die Namen zusätzlich für die Beurteilung nach Wirkstoffklasse. Vorbeugende Dauerbehandlung ist etwas anderes.
Ausgefülltes fiktives Beispiel
Dieses Beispiel beschreibt keine reale Person und ist keine Einnahmeempfehlung.
| Datum | Kopfschmerz | Bekannte Migränemerkmale | Akutmittel | Kurze Notiz |
|---|---|---|---|---|
| 01.10.2026 | ja | ja | ja | 08–13 Uhr, Stärke 7/10, Übelkeit und Lichtempfindlichkeit; verordnetes Mittel laut eigenem Plan, Wirkung unvollständig, Arbeit ausgefallen |
| 02.10.2026 | ja | unklar | nein | etwa zwei Stunden, Stärke 3/10, drückend; ruhige Tätigkeiten möglich |
| 03.10.2026 | nein | nein | nein | kopfschmerzfrei |
Die Summe dieser drei dokumentierten Tage lautet: zwei Kopfschmerztage, ein Tag mit bekannten Migränemerkmalen und ein Akutmedikamententag. Die übrigen Monatstage sind damit noch nicht erfasst. Für die Monatsübersicht zählst Du je Spalte die „ja“-Tage; „?“ und Lücken bleiben als Unsicherheit sichtbar. Diese Summe beweist weder eine Diagnose noch einen Therapieerfolg.
Wofür ein Kopfschmerztagebuch hilfreich sein kann
Ein Tagebuch schafft einen Überblick über Kopfschmerztage, Attacken und Medikamente. Über mehrere Wochen oder Monate können sich Muster zeigen, die aus einzelnen Erinnerungen schwer erkennbar sind. Das kann unter anderem helfen,
- verschiedene Kopfschmerzarten medizinisch besser einzuordnen,
- Häufigkeit, Dauer und Belastung von Attacken zu besprechen,
- die Wirkung einer Behandlung gemeinsam zu beurteilen,
- mögliche Zusammenhänge mit Alltag, Schlaf, Belastungen oder dem Menstruationszyklus zu erkennen,
- Medikamententage im Blick zu behalten.
Ein einzelner Eintrag beweist keinen Auslöser. Kopfschmerzattacken entstehen meist nicht durch einen einzigen Faktor. Das Tagebuch dient dazu, mögliche Zusammenhänge mit Ärzt:innen zu besprechen – nicht dazu, sich selbst eine Diagnose zu stellen oder alle vermuteten Auslöser zu vermeiden.
Was du festhalten kannst
Die folgenden Angaben sind für die ärztliche Abklärung und das Verlaufsgespräch besonders nützlich. Du musst nicht alles bei jeder Attacke notieren. Starte mit den Punkten, die für dich realistisch sind.
Zeitpunkt und Verlauf
- Datum und Uhrzeit des Beginns
- Ende der Beschwerden oder ungefähre Dauer
- ob du an diesem Tag kopfschmerzfrei warst
- ob die Beschwerden im Verlauf zu- oder abgenommen haben
Schmerz und Begleitsymptome
- Stärke der Schmerzen, zum Beispiel auf einer selbst gewählten Skala von 0 bis 10
- Schmerzort und -charakter, etwa einseitig, beidseitig, pochend oder drückend
- Begleitsymptome wie Übelkeit, Erbrechen, Licht-, Lärm- oder Geruchsempfindlichkeit, Schwindel oder Sehstörungen
- bei bekannten neurologischen Symptomen: wann sie begonnen haben, wie sie verliefen und wann sie abgeklungen sind
Auswirkungen auf den Alltag
- ob Arbeit, Ausbildung, Betreuung, Haushalt, Freizeit oder Schlaf beeinträchtigt waren
- ob du dich zurückziehen, absagen oder krankmelden musstest
- was dir Erleichterung verschafft hat, etwa Ruhe oder ein abgedunkelter Raum
Medikamente und andere Maßnahmen
Notiere für jeden Kopfschmerztag auch, ob du etwas gegen die Beschwerden eingenommen hast. Hilfreich sind Name des Mittels, Zeitpunkt, Menge und die wahrgenommene Wirkung. Dazu gehören verschreibungspflichtige und rezeptfreie Medikamente.
Häufiger Einsatz von Akutmedikamenten kann Kopfschmerzen beeinflussen. Besprich häufigen oder steigenden Bedarf frühzeitig – besonders bereits bei zehn Einnahmetagen pro Monat, nicht erst darüber. Je nach Klasse beginnen Übergebrauchsschwellen bei 10 oder 15 Tagen; sie sind keine sicheren Ausschöpfungsgrenzen und keine Diagnose allein. Auch wechselnde Mittel zählen. Plane Änderungen oder Absetzen mit Deiner Praxis; Sofortmaßnahmen aus der Gebrauchsinformation bei schweren Nebenwirkungen sind davon ausgenommen.
Mögliche Zusammenhänge
Manche Menschen halten zusätzlich fest, was rund um eine Attacke los war. Je nach persönlicher Situation können das zum Beispiel sein:
- Schlaf und Erholung
- Stress oder besondere Belastungen
- Mahlzeiten, Trinken oder ungewohnte Tagesabläufe
- körperliche Aktivität
- Menstruation oder andere hormonelle Veränderungen
Solche Angaben können Gesprächsansätze liefern. Sie bedeuten nicht automatisch, dass ein Faktor die Attacke ausgelöst hat.
So bleibt das Tagebuch alltagstauglich
Ein Tagebuch soll entlasten, nicht zusätzlichen Druck machen. Diese Grundsätze können helfen:
- Einfach anfangen: Notiere zunächst Datum, Dauer, Stärke und eingenommene Medikamente.
- Regelmäßig ergänzen: Kurze Einträge möglichst zeitnah sind oft aussagekräftiger als spätere Erinnerungen.
- Kopfschmerzfreie Tage mitdenken: Sie helfen dabei, Häufigkeit und Veränderungen im Verlauf einzuordnen.
- Zum Termin mitnehmen: Das Tagebuch unterstützt das Gespräch, ersetzt aber weder Untersuchung noch Diagnose.
Gut vorbereitet zum Termin
Für eine erste Abklärung ist die Hausarztpraxis eine passende Anlaufstelle; bei Kindern die kinderärztliche Praxis. Nicht jeder Kopfschmerz braucht zuerst eine Facharztambulanz. Neurologische beziehungsweise spezialisierte Abklärung kann bei unklarer Diagnose, ungewöhnlichem Verlauf, häufigen oder stark beeinträchtigenden Beschwerden und unzureichender Behandlung sinnvoll sein. Kläre den Weg und die Dringlichkeit mit Deiner Praxis. Bei Notfallzeichen gilt sofort 144.
Nimm vorhandene Befunde und eine Liste aller Medikamente einschließlich rezeptfreier Mittel und Nahrungsergänzung mit. Notiere, seit wann die Beschwerden bestehen, wie sie begonnen haben, ob sie sich verändert haben und welche Behandlungen mit welchem Nutzen oder welchen Nebenwirkungen versucht wurden. Auch wenige Einträge sind besser als ein wegen fehlender Aufzeichnungen verschobener Termin.
Fragen, die Du mitnehmen kannst
- Welche Kopfschmerzart ist wahrscheinlich, welche anderen Ursachen müssen abgeklärt werden? Brauche ich weitere Untersuchungen – und wofür?
- Welche Begleitsymptome sind bei mir bekannt, bei welchen Veränderungen brauche ich sofort Hilfe?
- Passt mein Akutmittel einschließlich Darreichungsform und Zeitpunkt? Was ist der vereinbarte nächste Schritt, wenn es nicht hilft, ich erbreche oder der Schmerz wiederkommt?
- Könnte eine Vorbeugung sinnvoll sein? Woran beurteilen wir Wirkung, Alltag und Verträglichkeit, und wann sprechen wir wieder?
- Wie zählen wir Medikamententage, und wen kontaktiere ich bei zunehmendem Bedarf oder Nebenwirkungen?
- Welche Kosten oder Bewilligungen muss ich vor Beginn klären? Welche Unterstützung ist während einer Wartezeit möglich?
Die Diagnose und persönliche Behandlung werden im Termin geklärt. Lies ergänzend Migräne: Symptome und Diagnose, Migräne behandeln und Versorgungswege in Österreich (noch nicht veröffentlicht).
Ein Tagebuch darf keine Abklärung verzögern
Neue, deutlich veränderte oder zunehmend häufige Kopfschmerzen gehören ärztlich abgeklärt. Bei einem schlagartig einsetzenden, innerhalb von Sekunden oder Minuten maximal starken Kopfschmerz, Nackensteife oder hohem Fieber, Bewusstseinsstörung, epileptischen Anfällen oder akuten neurologischen Ausfällen ist sofort medizinische Hilfe nötig. In Österreich ist die Rettung unter 144 erreichbar.
Quellen
- International Headache Society: ICHD-3 – How to use the classification
- National Institute for Health and Care Excellence: Headaches in over 12s – diagnosis and management
- IQWiG / Gesundheitsinformation.de: Migräne-Tagebuch
- IQWiG / Gesundheitsinformation.de: Arzneimittelbedingte Kopfschmerzen
- Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft: Rund um den Kopfschmerz
Stand der praktischen Vorlage und ergänzenden Terminorientierung: 10. Oktober 2026. NICE bezieht sich auf Menschen ab zwölf Jahren; für jüngere Kinder gilt die kindgerechte Abklärung. Diese Information ist keine individuelle medizinische Freigabe.